Warum Wasser das flüssige Gold der Teezubereitung ist.

Warum Wasser das flüssige Gold der Teezubereitung ist.

Ist das Wasser für die Teezubereitung nur Beiwerk? Ist denn nicht jedes Wasser gleich gut geeignet für die Zubereitung von Tee? Um es vorweg zu nehmen: Nein! Da gibt es riesen Unterschiede beim Wasser.

Kennen Sie das? Sie kommen nach Hause. Der Stress lässt langsam nach. Endlich zur Ruhe kommen. Zum relaxen einen Tee aufsetzen. Am besten den Lieblingstee. Und dann der erste Schluck.

Doch was ist das? Pfui Teufel. Gestern hat der gleiche Tee noch geschmeckt. Doch heute? Nur noch Bitter und pelzig auf der Zunge.

Woran kann das liegen? Es ist doch der gleiche Tee, wie gestern. Die Antwort ist einfach: Dann wird es heute wohl am falschen Wasser liegen. Und gestern hat es am richtigen Wasser gelegen.

Also: Beim Teewasser gibt es tatsächlich Unterschiede! Glauben Sie nicht? Ist aber so.

Wer das nicht glauben kann sollte mal verschiedene Wasser gegeneinander testen. Probieren Sie mal verschiedene stille Wasser. Und dann testen Sie mal Leitungswasser: Einmal ungefiltert und dann gefiltert.

Spätestens nach solch einem Test, haben Sie die Erfahrung gemacht das der Geschmack von Wasser sehr wohl differiert.

Das das Wasser zur Teezubereitung so wichtig ist, ist keine neue Weisheit. Bereits der Teemeister Zhang Dafu (Qing Dynastie) kam zu folgenden Schluß:

„Die Qualität einer guten Tasse Tee hängt zu 20 % vom Tee selbst ab und zu 80 % vom verwendeten Wasser”.

Und somit ist das richtige Teewasser eine wichtige Komponente bei der Teezubereitung. Wasser ist der Schlüssel zum Erfolg für den richtigen Teegenuß!

Warum können wir auf der Zunge und in der Nase eigentlich so viele Aromen nach dem aufbrühen des Tees erkennen? Weil sich diese Aromen im Teewasser verteilen und durch den Sauerstoffgehalt und der Mineralien des Wassers erst entfalten können. Das Wasser muß frei von Fremdgeschmäckern und Gerüchen sein. Wir wollen schließlich den Tee schmecken und nicht Kalk, Eisen und Co.

Ihr Ziel sollte also sein: Bestes Wasser für die Teezubereitung zu nehmen um so einen optimalen Teegenuß erzielen zu können!

Welche Wasserarten gibt es denn?

Die Betrachtung auf Quellwasser, Brunnenwasser und Flußwasser lasse ich hier mal weg. Die wenigsten werden an einer Quelle sitzen bei der sie auch gleichzeitig sicher sein können das die Qualität des Wassers gesundheitlich unbedenklich ist. Nitrate, Pestizide, Schwermetalle und Co belasten häufig diese Wasserquellen.

Somit beschränke ich mich im folgenden auf folgende Wasser:

  • Destilliertes Wasser
  • Mineralwasser
  • Leitungswasser

Destilliertes Wasser

Um es vorweg zu nehmen:

Spätestens wenn man Tee mit destillierten Wasser probiert, wird man feststellen das der Geschmack des Tee’s nicht nur vom Tee selber abhängig ist, sondern auch viel mit dem Wasser zu tun hat.

Destilliertes Wasser taugt nicht zur Teezubereitung, da ihm die Mineralien fehlen und daraus ein fader Geschmack resultiert.

Tee mit destillierten Wasser gehört definitiv zu den Erfahrungen die man kein zweites Mal mehr machen möchte! Das einzig gute an dieser Erfahrung ist die Tatsache das man spätesten jetzt weiß das der Geschmack von Tee tatsächlich sehr stark vom richtigen Wasser abhängig ist.

Die Aussage des eingangs zitierten Teemeister Zhang Dafu scheint sich zu bewahrheiten.

Um es kurz zu machen:

Natürliches Mineralwasser für die Teezubereitung.

Natürliches Mineralwasser ist meist ungeeignet für die Teezubereitung. Das liegt an den beim Mineralwasser enthaltenen Kalzium und Hydrogencarbonat. Denn beim kochen des Mineralwassers entsteht dann oftmals Kalk. Außerdem spaltet sich dabei das Hydrogencarbonat in Kohlendioxid und Karbonat auf. Das zurückbleibende Karbonat ist dann für eine Anhebung des ph-Wertes verantwortlich. Ein hoher ph-Wert ist für die Teezubereitung schlecht.

Somit sollte nur Mineralwasser genommen werden, welches sehr geringe Kalzium und Hydrogencarbonat-Werte enthält.

Weiter unten auf dieser Seite bei den Quellenangaben finden Sie weiterführende Links zur Ermittlung des Anteil an Kalzium und Hydrogencarbonat Ihres Lieblingswassers.

Der Anteil von Kalzium sollte dabei unter 10mg/Liter sein. Beim Hydrogencarbonat sollte der Anteil unter 20mg/Liter betragen. Solch ein Mineralwasser in Deutschland zu finden, ist nicht gerade einfach.

Leitungswasser für die Teezubereitung.

Leitungswasser kann in Deutschland bedenkenlos zur Teezubereitung genommen werden. Das Wasser aus ihrer Leitung ist das am strengsten kontrollierte Lebensmittel.

Leider ist das Wasser aber oft sehr hart. Daher sollte das Wasser zur Teezubereitung zuvor aufbereitet werden. Zum Beispiel mit handelsüblichen Wasserfiltern.

Die meisten Wasserfilter arbeiten mit einem Ionenaustauscher-Granulat. Dieses Granulat entzieht dem Wasser das Kalziumkarbonat. Dabei werden die Kalzium-Ionen gegen Natrium-Ionen getauscht.

Die Aktivkohle im Filter bindet den Kalk, sowie fremde Geschmacks und Geruchsstoffe. Die Filterkartusche sollten Sie aber bitte immer feucht halten. Ansonsten verliert Sie Ihre Wirkung. Und natürlich immer regelmäßig und früh genug austauschen. Lieber einmal zu viel ausgetauscht, als einmal zu wenig.

Auch sollte das Wasser nicht zu lange im Filterbehälter verweilen sondern immer frisch gefiltert sein. Warum das Wasser frisch sein sollte? Lesen Sie weiter.

Das Wasser muß die richtigen Eigenschaften besitzen.

Die richtigen Eigenschaften? Was ist denn damit gemeint?

Die Frische des Wassers ist sehr wichtig. Was macht so genanntes „frisches” Wasser aus?

Frisches Wasser zeichnet sich durch einen hohen Sauerstoffgehaltgehalt aus. Letzten Endes ist der Anteil des Sauerstoff im Wasser maßgeblich für den Geschmack.

Daher sollte man das Wasser auch nur einmal aufkochen. Denn beim Kochen verliert Wasser den so wichtigen Sauerstoff.

Wichtig ist auch, das das Wasser viel Mineralien besitzt. Denn wie Sie ja bereits erfahren haben: Ohne Mineralien, kein Geschmack.

Ein weiterer entscheidender Faktor ist der Härtegrad. Ein gutes Teewasser sollte einen nicht allzu hohen Härtegrad haben um für eine bessere Teezubereitung geeignet zu sein.

Härtegrad des Teewassers

Warum ist denn ein hoher Härtegrad für die Teezubereitung so schlecht?

Hartes Wasser ist Kalk haltig. Ein hoher Härtegrad bedeutet das viele Kalzium- und Magnesium-Ionen im Wasser enthalten sind. Diese binden die Geschmacksträger des Tees. Und wenn die Geschmacksträger gebunden sind dann kann sich auch kein Geschmack entfalten.

Daraus resultiert dann der schlechterer und vor allem pelzige Geschmack. An der Oberfläche bildet sich bei hartem Wasser auch ein dünner unapetitlicher Film. Genau dieser Film ist dafür verantwortlich das sich kein Aroma bilden kann.

Weicheres Wasser hingegen ist ein idealer Geschmacksträger für Ihren Teegenuß. Der idealer Härtegrad zur Teezubereitung von Wasser liegt um die 8 °d.

Die Wasserhärte für ihren Ort können Sie im Netz auf Wasserhärte nachschauen.

Leider haben nur die wenigsten unter uns Teefreunde das Vergnügen in einer Gegend zu wohnen die einen vergleichsweise guten Härtegrad hat. Die meisten haben hartes Wasser.

Aber keine Panik: Die Teezubereitung ist dann nur ein wenig aufwendiger.

Was gilt es sonst noch zu beachten

Jetzt, wo Sie wissen was das richtige Teewasser sein sollte und warum es so wichtig ist, das richtige Wasser auszuwählen wollen wir uns noch zwei weiteren wichtigen Komponenten bei der Teezubereitung widmen.

Wie schaut’s mit der Ziehzeit aus?

Verschiedene Tees verlangen nach verschiedenen Ziehzeiten. Aber auch dann gilt: Bei der Ziehzeit spielt die persönliche Geschmacksfrage eine große Rolle.

Irgendwann hatte ich mal von einem Vergleich zur Zubereitung mit einem guten Steak gehört: Während es Befürworter zur „englisch” blutigen Variante gibt, mögen andere ihr Steak „Medium”. Und dann gibt es auch wieder genügend Menschen die ihr Steak ausschließlich „Well done” bevorzugen.

Ein wenig ähnlich verhält es sich auch mit der Ziehzeit ihres Lieblingstees. Jeder sollte seine Lieblingsziehzeit für seinen Lieblingstee selber ausprobieren und herausfinden.

Je nach dem ob man seinen Tee lieber stärker oder vielleicht etwas milder mag gilt es den Tee kürzer oder etwas länger ziehen zu lassen.

Bei den klassischen Aufgüssen der Teepflanze Camellia sinensis ist zu beachten das mit längerer Ziehzeit auch mehr Bitterstoffe in den Aufguss gelangen.

Bei Rooibos oder Honeybush kann ihnen dies nicht passieren: Aufgrund des zu vernachlässigen Tanningehaltes (Bitterstoffe) können diese beiden Tee’s auch bei sehr langen Ziehzeiten nicht bitter werden.

Was ist denn die perfekte Wassertemperatur bei der Teezubereitung?

Wie so oft: Kommt drauf an! Nämlich vor allem auch wieder auf die Teesorte und zum anderen nach den eigenen geschmacklichen Vorlieben.

Allgemein gültig ist jedoch, den Tee bitte nicht sofort mit dem sprudelnd kochendem Wasser aufgießen zu wollen. Denn dabei verdampfen die flüchtigen Geschmacksstoffe bereits beim aufgießen.

Daher besser nach dem Aufkochen abwarten bis das Wasser sich wieder beruhigt hat. Dann liegt die Temperatur noch bei ca 95°C. Erst jetzt können sich die Inhaltsstoffe Ihres Tees so richtig entfalten. Sie werden es am vollmundigen Aroma erkennen.

Beim Aufkochen von einem Liter Teewasser können die folgenden Tee-Temperaturen zur perfekten Teezubereitung als Richtwerte dienen:

  • Nach Beruhigung: Ca. 95° (geeignet für schwarzer Tee, Honeybush, Rooibos)
  • Nach einer Minute: Ca. 80° (geeignet für grünen und weißen Tee)
  • Nach 3 bis 4 Minuten: Ca. 70° (geeignet für grünen und weißen Tee)
  • Nach 8 bis 9 Minuten: Ca 60° (geeignet für grünen Tee/japanisch)

Es gilt zu beachten das bei geringerer Wassermenge die Temperatur sich entsprechend schneller abkühlt.

Die ideale Trinktemperatur für Tee liegt angeblich zwischen 60 und 65°C. Aber auch das ist wieder persönliche Geschmackssache. Der eine mag es lieber ein wenig heißer, während der andere eher das ganze cooler angeht.

Zusammenfassung

Und jetzt nochmal eine kurze Zusammenfassung worauf es beim Wasser ankommt:

  • Frisch sollte das Wasser für ihren Tee sein.
  • Achten sie auf einen hohen Sauerstoffgehalt (Wasser sollte nicht lange gestanden habe; nur einmal aufkochen).
  • Viele Mineralien sollte ihr Wasser aufweisen.
  • Kochwasser vor dem Aufbrühen des Tee’s beruhigen lassen.
  • Bei Leitungswasser auf eine geringe Härte achten.
  • Bei natürlichen Mineralwasser auf geringe Kalzium und Hydrogencarbonat-Werte achten.
  • Destilliertes Wasser ist ein absolutes No-Go.

Ich hoffe der Artikel hat Ihnen geholfen das richtige Wasser für eine perfekte Teezubereitung wählen zu können.

Wenn Sie Anregungen oder Fragen haben, so lassen Sie uns das doch bitte durch einen Kommentar wissen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen

immer das richtige Wasser in Ihrer Tee-Tasse.

Ihr Jörg Bischoff (TeeVomKap)

Weitere Tipps und Tricks sowie Rezepte zu Rooibos und Honeybush finden Sie
im Blog von TeeVomKap.


Quellen für diesen Artikel:
Wiki-Artikel zu Mineralwasser (nicht nur zur Teezubereitung)..
Wiki-Artikel zur Teepflanze Camellia sinensis..
Wasserherstellerseite zur Bestimmung des Anteil an Kalzium und Hydrogencarbonat..
PDF-Dokument zu Kalzium und Hydrogencarbonat..

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